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Patrick Brock – Auszubildender zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei der Deutschen Telekom AG

Patrick BrockPatrick Brock ist Rollstuhlfahrer. Der 20jährige befindet sich im 3. Ausbildungsjahr zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei der Deutschen Telekom.

Interview:

Patrick, kannst du uns kurz schildern: Was machen eigentlich Anwendungsentwickler?

PB: Anwendungsentwickler programmieren Software oder passen vorhandene Programme auf den konkreten Bedarf an. An der Berufsschule lerne ich auch noch zum Beispiel Hardware-Sachen, und was zum Computer allgemein an Grundwissen gehört.

Erzähl uns was über deine Schullaufbahn!

PB: Ich kam in die 1. Klasse in der Förderschule. Da war ich nicht sehr begeistert von und habe mich versucht da rauszukämpfen, habe drei Jahre gekämpft, habe verschiedene Prüfungen abgelegt, musste zum Psychologen und Eignungstests machen. Dann kam ich endlich aus der Förderklasse raus und in eine normale Klasse. Ich habe dann leider zunächst nur den Förderabschluss gemacht, weil mir ein Punkt in der Prüfung gefehlt hat. Anschließend war ich noch mal auf der Privatschule und habe dort meinen mittleren Schulabschluss mit zwei bestanden.

Kannst du das noch mal kurz erklären, was das mit der Förderklasse auf sich hat? Das hört sich ja an sich positiv an.

PB: Also Förderklasse ist eigentlich nichts anderes, als dass man nicht den normalen Unterrichtsstoff macht wie in den anderen Klassen, sondern viel weniger machen muss, und man hat dafür auch mehr Zeit: Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran und das ist halt das Schwierige: Dann einen richtigen Abschluss zu machen. Man hätte ja so viel nachzuholen, was man in den Förderklassen nicht geschafft hat.

Warum hast du dich nach dem Realschulabschluss für die Telekom entschieden, und wie verlief das Bewerbungsgespräch?

PB: Ich habe mich in vielen Firmen beworben und habe dort auch manchmal meine Behinderung verschwiegen in meinen Bewerbungen. Dadurch kamen mehr Bewerbungsgespräche zustande, als wenn ich meine Behinderung reingeschrieben hätte, gerade bei den kleinen Firmen.
Dann kam ich da rein, da haben die mich erst mal angeguckt mit riesengroßen Augen und haben gedacht, was kommt denn da jetzt für ein Alien um die Ecke. Und dann fing es gleich an mit, ach, wir sind ja gar nicht behindertengerecht. Dabei braucht man eigentlich gar nicht so viel, wenn man behindert ist. Man muss halt individuell gucken, was man braucht. Aber viele haben da viel zu viel Angst und nicht die Zeit dafür.

„Es kamen mehr Bewerbungsgespräche zustande, wenn ich meine Behinderung verschwiegen habe.“

Und wie war es bei der Telekom?

PB: Bei der Telekom habe ich meine Behinderung nicht verschwiegen, weil ich gedacht habe, die Firma ist ja groß genug, für die wird das nichts Abschreckendes sein. Und dann habe ich tatsächlich ein Bewerbungsgespräch bekommen und das ganz normal geführt. Die fanden das auch nicht schlimm. Dann musste ich rausgehen, dann haben sie sich beraten und dann haben sie mir gesagt, dass sie mich nehmen werden.

Du sagst, das fanden sie „nicht schlimm“. Spielt es denn bei deiner Ausbildung überhaupt eine Rolle, dass du gehbehindert bist?

PB: Doch, schon, weil wir verschiedene Einsatzorte haben und dann muss geguckt werden, welcher für mich passt oder nicht passt. Es muss auf jeden Fall ebenerdig sein oder so, dass ich überall hinkomme. Wenn es im 1. Stock ist, dann brauche ich einen Fahrstuhl. Und eine Behindertentoilette wäre nicht schlecht.

„Förderklassen sollten abgeschafft werden, so dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten.“

Was meinst du generell: Schüler wie du mit einer körperlichen Behinderung, sind die in jedem Falle in einer Regelklasse und mit einem normalen Schulabschluss besser aufgehoben als in extra Fördereinrichtungen?

PB: Auf jeden Fall. Ich finde, die Förderklassen sollten abgeschafft werden, so dass Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung zusammen arbeiten. Das merke ich ja jetzt auch immer wieder an meiner Schule: Die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, sind gegenüber behinderten Menschen ganz anders und gucken die auch nicht mehr so an, wie in der Stadt da, die ganzen Blicke. Wenn man schon von Kind auf mit Menschen mit Behinderung zusammengearbeitet hat, das ist was ganz anderes, als wenn man die auf der Straße kennenlernt.

Und wie ist das Klima hier bei der Ausbildung?

PB: Das ist ganz locker. Ich bin auch nur ein ganz normaler Mensch, ich sitze nur im Rollstuhl, und das ist eigentlich ganz locker. Ich mache auch viel Spaß mit und wenn mal ein Witz über mich gemacht wird, dann ist das auch nicht schlimm, dann lache ich auch mit.